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Erstmals fanden die nationalen Titelkämpfe aller Altersklassen der Rhythmischen Sportgymnastik (d.h. Bundesfinale Schülerleistungsklasse, Deutsche Jugendmeisterschaften, Deutsche Meisterschaften) an einem einzigen Wochenende statt. Aus diesem Anlass trafen sich die besten deutschen Einzelgymnastinnen am Pfingstwochenende in Bremen. Die Schülerinnen turnten am Samstag und Sonntag, die Juniorinnen und Meisterklasse am Sonntag und Montag. Einerseits war dies ein wahrhaftiger Wettkampfmarathon für die Aktiven, Trainerinnen, Betreuer und ganz besonders für die Kampfrichterinnen; andererseits aber auch eine sehr interessante Gelegenheit, das gesamte Spektrum der deutschen Einzelgymnastik an einem einzigen Termin beobachten zu können.
Wettkampfstätte war die modern und hell eingerichtete und hübsch geschmückte Trainingshalle des RSG-Bundesstützpunkts Bremen. Dort gibt es zwei Außentribünen, von denen aus man die Wettkämpfe in der deutlich tiefer gelegenen Halle quasi von oben betrachtete. Choreographisch gesehen einmal ein ganz interessanter Blickwinkel, wenn auch für viele Zuschauer sicher ungewohnt. Die Tribünen waren meist durch die mitgereisten Freunde und Familien der zahlreichen Teilnehmerinnen gut gefüllt. Schade allerdings, dass nur wenig fachfremdes Publikum anwesend war: der Bundesstützpunkt liegt ein wenig außerhalb im Bremer Universitätsgelände und bietet sich nicht unbedingt für “Laufpublikum” an. Allerdings hätte ein solches ohnehin kaum noch Platz gefunden. Ebenfalls schade war das nahezu vollständige Fernbleiben von professioneller und überregionaler Presse. Immerhin befinden wir uns bei den Deutschen Meisterschaften einer olympischen Spitzensportart - hier muss wirklich irgendetwas schief gelaufen sein. So war denn auch die mediale “Ausbeute”, selbst im offiziellen Pressespiegel des Deutschen Turner-Bunds, ziemlich mager.
Da durch den gemeinsamen Termin
alle drei Meisterschaften auf einer einzigen Internetseite erscheinen,
haben wir die Berichterstattung in die chronologische Reihenfolge
gebracht, wie die Wettkämpfe ausgetragen wurden:
1. Bundesfinale Schülerleistungsklasse (SLK)
2. Deutsche Jugendmeisterschaften (JLK)
3. Deutsche Meisterschaften (MK)
BUNDESFINALE SCHÜLERLEISTUNGSKLASSE
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Die Gymnastinnen der Schülerleistungsklasse turnen noch keine offiziellen Deutschen Meisterschaften, daher wird ihre nationale Spitze beim sogenannten “Bundesfinale” festgestellt.
Mehrkampf:
Siegerin des Mehrkampfs wurde Laura Jung, eine ganz ausgezeichnete Gymnastin vom saarländischen TV Sankt Wendel. Bemerkenswert: in der Summe ihrer Einzelnoten (56,999) lag sie nur sage und schreibe ein Tausendstel (!) vor der zweitplatzierten Romina Lass (56,998) vom Blumenthaler TV Bremen. Auf Platz 3 noch eine weitere Gymnastin vom TV Sankt Wendel, welcher damit der mit Abstand erfolgreichste Verein in der Schülerleistungsklasse war: Stella Schwegmann, die 56,683 Punkte erreichte, also wiederum sehr knapp hinter Platz 2! Dann wieder eine Lokalmatadorin vom Bremer Bundesstützpunkt: Erika Schmalz (Bremen 1860) mit 54,598 Punkten auf Platz 4.
Beste Gymnastin vom TSV Schmiden war Alexandra Kuhn, die mit 54,532 Punkten Platz 5 erreichte. Sie hatte einen starken Wettkampf, erturnte mit dem Band sogar die höchste Einzelnote aller Gymnastinnen und ohne Handgerät die drittbeste Note, allerdings war ihre Seilübung durchwachsen, hier lag sie nur an elfter Stelle, was ein paar Punkte kostete. Ohne Handgerät, mit Reifen und mit Band qualifizierte sie sich für das Gerätefinale.
Unmittelbar dahinter auf Platz 6 (52,431) mit Viktoria Nithack eine weitere Gymnastin vom TSV Schmiden. Ähnlich wie Alexandra, turnte auch Viktoria dreimal stabil, lag mit den Einzelgeräten an dritter, fünfter und sechster Stelle, dann aber leider für die Übung ohne Handgerät nur an fünfundzwanzigster Stelle, was auch ihr mächtig Punkte kostete. So hatte sich auch “Vicky” für drei Gerätefinals qualifiziert: Seil, Reifen und Band.
Kleine und große Geschichten am Rande: Am Tag vor der Abreise nach Bremen bekam Vicky Nithack einen Anruf von der ehemaligen Berliner Landestrainerin Barbara Rotenburg. (Viktoria kommt ursprünglich aus Berlin und hatte dort bei Frau Rotenburg trainiert.) Vicky war ein wenig aufgeregt vor ihrem wichtigen Wettkampf, und Frau Rotenburg wollte ihr Mut machen: “Schau mal, Vicky, Dir kann doch gar nichts passieren. Wenn Du nur Sechsunddreißigste wirst, dann bist Du schon genauso gut wie letztes Jahr, und das wirst Du ja wohl auf jeden Fall schaffen. Wenn Du “nur” Sechsundzwanzigste wirst, dann bist Du sogar schon zehn Plätze besser! Also, vor was solltest Du Angst haben?”, so die sehr lieben Worte von Frau Rotenburg. Sie wird sich freuen, wenn sie die offiziellen Ergebnisse hört: Vicky wurde nicht zehn, sondern ganze 30 Plätze besser (!) und kam damit auf Platz 6!
Dritte Teilnehmerin vom TSV Schmiden war Jacqueline Ruppert, altersbedingt erstmalig in der Schülerleistungsklasse turnend, die bei ihrem Debüt mit 48,764 Punkten immerhin schon einen beachtlichen elften Rang erreichen konnte. Schließlich waren insgesamt 55 Mädchen in der Schülerleistungsklasse angetreten! (Vollständige Siegerliste: siehe unten.) Und was weder Jacqueline selbst noch ihr Team erwartet hatten: sie schaffte sogar die Qualifikation für das Finale ohne Handgerät, da sie hier in der Einzelnote an achter Stelle lag!
Alle drei SLK-Gymnastinnen in den Finals, da war die Freude groß in der Mannschaft!
Unter den insgesamt 55 Teilnehmerinnen erreichten alle weiteren Gymnastinnen des Schwäbischen Turnerbunds ebenfalls gute Plätze in der ersten Hälfte des Gesamtklassements: Steffi Weiß (TSG Söflingen, Platz 10), Jantine Widmann (TSG Tübingen, Platz 17), Angelika Sarkow (TSG Tübingen, Platz 20) und Angelique Scherle (TSG Söflingen, Platz 21).
Finale:
Auch in den Gerätefinals stellte der TV Sankt Wendel die erfolgreichsten Gymnastinnen. Laura Jung, die bereits den Mehrkampf gewonnen hatte, siegte auch in drei der vier Finals: ohne Handgerät, mit Seil und mit Band. Im Reifenfinale wurde sie Zweite. Stella Schwegmann wurde Zweite ohne Handgerät und mit Seil und Vierte mit Reifen, ins Bandfinale war sie nicht eingerückt.
Das Reifenfinale gewann Romina Lass vom Blumenthaler TV Bremen, sie wurde außerdem Zweite mit Band, Dritte ohne Handgerät und Vierte mit Seil. Die weiteren Medaillenplätze: Erika Schmalz (Bremen 1860, Bronze ohne Handgerät und mit Reifen), Vivien Niklas (TuG Leipzig, Bronze mit Seil), Alexandra Kuhn (TSV Schmiden, Bronze mit Band).
Wobei wir zurück bei den Gymnastinnen des TSV Schmiden wären: Alexandra Kuhn holte also ihre erste Medaille, Bronze mit dem Band, wozu wir ihr herzlich gratulieren! Außerdem wurde sie Fünfte mit Reifen sowie ohne Handgerät. Viktoria Nithack war Fünfte mit Band, Siebte mit Reifen und Achte mit Seil. Jacqueline Ruppert hatte sich ja überraschend durch die achtbeste Vornote für das Finale ohne Handgerät qualifiziert: im Finale konnte sie sich nochmal steigern und erreichte sogar Rang 7!
DEUTSCHE JUGENDMEISTERSCHAFTEN
Schlagzeilen:
Annette Negare überraschend Mehrkampfmeisterin!
14 von 15 Medaillen nach Schmiden!
6 von 5 (!) Goldmedaillen nach Schmiden! (je 2 an Negare, Bilali und
Raskina)
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| Alisa Bilali (Foto: Bernd Thierolf) | Annette Negare (Foto: Thomas Schütte) | Karolina Raskina (Foto: Bernd Thierolf) |
Mehrkampf:
Völlig überraschend ist Annette Negare (TSV Schmiden) Deutsche Jugendmeisterin im Mehrkampf geworden! Es war ihre stabile, über alle vier Handgeräte gleichbleibend hohe Leistung, die ihr den Titel gebracht hat, denn in allen vier Einzelwertungen lag sie ganz in der Spitze (Zweite mit Reifen, Ball und Band, Dritte mit Seil). Große Fehler werden im Mehrkampf nicht verziehen, nur mit konstanter Leistung über alle vier Übungen kann man sicher gewinnen. Und das schaffte Annette Negare. Am meisten staunte sie selbst über ihren Titel: “Ich bin total überrascht und glücklich! Mein Ziel war es, mein Programm stabil zu turnen. Ich habe maximal mit Platz 4 gerechnet. Ein großes Dankeschön an meine super Trainerin Katja Kotelnikova! Und ich möchte mich auch bei meinen Therapeuten Ralph Frank und Heike Labude bedanken, die mir die Rückkehr auf die Wettkampffläche überhaupt erst ermöglicht haben!”
Kleine und große Geschichten am Rande: Annette Negare hatte im letzten Jahr eine bittere Pause einlegen müssen. Fast ein ganzes Jahr lang war sie - vermutlich nach einem unglücklichen Sprung - verletzt. An Oberschenkel und gegenüberliegendem Beckenknochen hatte sie sich feine Haarrisse in der Größe einer Centmünze zugezogen: keine schwere Verletzung, aber langwierig und schmerzhaft. Ralph Frank und Heike Labude, beide als Therapeuten und Personal Trainer für zahlreiche Bundesliga-Fußballer und andere Spitzensportler tätig, nahmen Annette in ihre Obhut. Die Trainingsprogramme der beiden haben maßgeblich zur vollständigen Genesung beigetragen. Während der gesamten Verletzungspause gab es zahlreiche Stimmen, die Annette rieten, nach so langer Zeit nicht mehr in den Spitzensport zurück zu gehen. Auch Eltern und Trainerteam waren nicht überzeugt, dass eine Rückkehr Erfolg haben könnte. Doch Annette selbst verlor nie die Hoffnung, hat immer fest an sich geglaubt und stets ausgesagt: “Ich will zurück auf die Wettkampffläche. Ich will nochmal zeigen, was ich kann. Und ich freue mich schon auf das Publikum und den Applaus.” - Erst seit fünf Monaten trainiert Annette Negare nun wieder voll, daher war auch ihre Zielsetzung für die DJM nicht allzu hoch. Doch das große Durchhaltevermögen hat sich gelohnt, jetzt hat sie den Meistertitel. Und zu den ersten Dankesanrufen per Handy zählten...: Ralph Frank und Heike Labude!
Deutsche Jugend-Vizemeisterin wurde Karolina Raskina, ebenfalls TSV Schmiden. Doch im Gegensatz zu Annette Negare konnte sich Karolina nicht recht über ihren Vizetitel freuen, im Gegenteil, es flossen viele Tränen. Denn Karolina Raskina, die schon sehr viel internationale Wettkampferfahrung hat (und ein Jahr zuvor drei Meistertitel geholt hatte), war als klare Favoritin in den Wettkampf gegangen. Und sie ist diesem Anspruch zunächst auch mehr als gerecht geworden: mit Ball, Band und Seil hatte sie dreimal hintereinander die Höchstnote aller Teilnehmerinnen bekommen, erhielt mit dem Reifen gar die mit Abstand höchste Note der gesamten Meisterschaften (23,366). Doch dann die abschließende Ballübung... “Karo”ging auf die Fläche, und man kann die Übung leider nur als komplett verturnt bezeichnen. Mehrere Geräteverluste, wegrollender Ball, dadurch weggelassene Elemente, eine verstört und abwesend wirkende Gymnastin - eine so verkorkste Übung haben wir von Karolina überhaupt noch nicht gesehen. Und das ausgerechnet bei den Meisterschaften und vor laufenden Kameras! Karolina zog sich erstmal zurück, wollte eine halbe Stunde ganz alleine sein. Später konnte sie zum Glück auch wieder lächeln und sah die Sache realistisch: “Wenn ich eine Übung so dermaßen verturne, kann ich keine Meisterin werden.”
Kleine und große Geschichten am Rande: Außergewöhnlich für die ganze Mannschaft des TSV Schmiden war, dass sie auf Schritt und Tritt von einem Fernsehteam begleitet wurde. Vier Studenten von der Filmakademie hatten vor einiger Zeit ein Portrait über den Alltag einer jugendlichen Spitzensportlerin drehen wollen, um diesen Film dann als Examensarbeit an der Hochschule einzureichen. Das Team um Nadja von Thaden hatte sich Karolina Raskina für ihren Film ausgesucht, und es entstand ein sympathisches Portrait vom Aufstehen bis zum Schlafengehen, mit Schule, Training, Freunden u.s.w. Das Filmteam war von Karolina so angetan, dass sie sie gerne auch nochmal bei der Ausübung ihres Sports filmen wollten. So wurden die Deutschen Jugendmeisterschaften dafür ausgesucht. Es war schon ein ungewohntes Gefühl, als der Mannschaftsbus am Hotel vorfuhr und die aussteigenden Gymnastinnen bereits von Kameras auf dem Balkon und vor der Hotel-Lobby erwartet wurden. Auch beim anschließenden Abendessen wurde gefilmt. Und am Morgen des ersten Wettkampftags standen die Kameras bereits vor dem Frühstück, beim Schminken und Haar-Styling für den Wettkampf, wieder im Hotelzimmer. Ebenso außergewöhnlich in dieser Sportart auch, mit laufenden Kameras in die Wettkampfhalle einzumarschieren. Im Wettkampf selbst wollte das Team natürlich nicht stören, nahm dezent die Übungen, aber auch viele nette Szenen im Umfeld auf. Ein Happy End sollte es, was Karolina betrifft (siehe oben), für den Film leider nicht geben, aber Freud und Leid liegen im Leben nunmal nah beieinander.
Auch die Bronzemedaille ging an eine Gymnastin vom TSV Schmiden: Alisa Bilali, gerade erst in die Juniorinnen-Leistungsklasse aufgerückt, zeigte einen sehr überzeugenden Vierkampf. Mit dem Ball erhielt sie sogar die Höchstnote aller teilnehmenden Gymnastinnen, dazu die zweitbeste Seil- und die drittbeste Reifennote. Nur das Band war etwas niedriger bewertet, hier lag sie an sechster Stelle. Dass Alisa, die ein Jahr zuvor noch bei den Schülerinnen gestartet war, sich auf Anhieb auf dem Bronzerang hatte platzieren können, war schon eine tolle Sache! Sie turnte in Bremen sehr konzentriert und sauber, es gab kaum mal etwas abzuziehen. Dazu kam auch noch eine deutlich gestiegene Ausstrahlung. Alisa konnte sich als Debütantin für alle vier Gerätefinals qualifizieren, ein beachtlicher Erfolg.
Die Plätze 4 bis 12 gingen mit einer einzigen Ausnahme allesamt an Gymnastinnen aus Leverkusen, Bremen und Rehlingen, angeführt von Anastasia Romanuk (TSV Bayer 04 Leverkusen) und den beiden Bremerinnen Ekaterina Klat und Lena Rübke.
Camilla Pfeffer, die ebenfalls am Bundesstützpunkt Fellbach-Schmiden trainiert, aber für ihren Heimatverein TSG Tübingen startet, kam auf Platz 13 unter den insgesamt 29 Juniorinnen und war damit alles andere als zufrieden. “Ich kann mir nicht erklären, warum mir so viele Dinge nicht gelungen sind, die ich im Training eigentlich gut beherrsche”, so die traurige Gymnastin. Ja, das war tatsächlich schade, denn damit reichte es auch nicht für einen Finaleinzug, und so war der Wettkampf für Camilla bereits beendet.
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Camilla Pfeffer (Foto: Thomas Schütte) |
Finale:
Mit dem SEIL konnte sich Karolina Raskina durchsetzen und den heiß ersehnten Meistertitel erkämpfen. Trotz zwei Zehntel Fehlerabzugs lag sie noch gut in Führung vor Annette Negare, die diesmal die Silbermedaille und damit den Deutschen Vizemeistertitel erhielt, gefolgt vom Teamkameradin Alisa Bilali auf dem Bronzerang.
Die höchsten Finalnoten wurden mit dem REIFEN vergeben, und zwar an der Spitze gleich zweimal: Annette Negare und Karolina Raskina erhielten exakt dieselbe Wertung (22,850) und durften daher gemeinsam den Platz auf dem höchsten Treppchen einnehmen. So gab es mit dem Reifen gleich zwei Goldmedaillen und zwei neue Deutsche Jugendmeisterinnen, und der Silberrang blieb unbesetzt. Alisa Bilali erhielt mit dem Reifen bereits ihre dritte Bronzemedaille, doch es sollte für sie noch schöner kommen...
Kleine und große Geschichten am Rande:Die beiden Siegerinnen mit dem Reifen, Karolina Raskina und Annette Negare, ahnten vor der Siegerehrung noch nicht, dass sie gemeinsam an der Spitze stehen würden. Als die Noten verlesen und die Namen aufgerufen wurden, kam es unabgesprochen zu einer sehr schönen sponanen Geste: beide fassten sich an den Händen und gingen Hand in Hand gemeinsam vor auf das Siegerpodest. Dieses faire Verhalten freute offenbar besonders das Bremer Publikum, denn es gab dafür einen kräftigen Applaus.
Im Finale mit dem BALL gab es eine absolut faszinierende Übung von Alisa Bilali. Der hohe Schwierigkeitsgrad sowie die sehr exakte und saubere Ausführung, Alisas Markenzeichen, überzeugten offenbar auch das Kampfgericht: es gab den höchsten technischen Wert und die mit fast einem Punkt Abstand weitaus höchste Note für die Ausführung. Alisa turnte erstmalig in der Junioren-Leistungsklasse und - kaum zu glauben - das war ihr erster Meistertitel! Annette Negare diesmal als Vizemeisterin auf dem Silberrang; auf Platz 3 mit Ekaterina Klat (Bremen 1860) die einzige Medaille bei den Juniorinnen, die nicht an den TSV Schmiden ging.
Kleine und große Geschichten am Rande: Alisa Bilalis ältere Schwester Amelia war ebenfalls eine erfolgreiche Gymnastin. Gespannt beobachtete Amelia vor Ort Alisas Übungen. Amelia Bilalis größter Erfolg während ihrer aktiven Zeit war der Junioren-Vizemeistertitel. Schon immer gestand sie neidlos ein: “Meine Schwester wird mal viel besser als ich.” Und als jetzt Alisas erster Titel feststand, freute sich Amelia mit ihr: “Jetzt hat sie es geschafft, sie hat mich überholt!” - Übrigens: nach den Meisterschaften ging es für die ganze Familie direkt in den verdienten Türkei-Urlaub.
Mit dem BAND kamen dann wieder alle drei Gymnastinnen aus Fellbach-Schmiden auf die Medaillenränge. Auch hier konnte Alisa Bilali voll und ganz überzeugen und holte sogar noch ihren zweiten Meistertitel! Und das, obwohl sich ihr Bandstab - zum Glück erst am Ende der Übung - unlösbar im Röckchen ihres Wettkampftrikots verhakt hatte. Zweifache Deutsche Jugendmeisterin: besser hätte Alisas Debüt nicht ausgehen können. Karolina Raskina erturnte sich mit dem Band ihre zweite Silbermedaille, Annette Negare erhielt diesmal Bronze.
Kleine und große Geschichten am Rande: Am Finaltag war Alisa Bilali im Clinch mit ihren Wettkampf-Anzügen. Wie oben bereits beschrieben, hatte der Bandstab das Röckchen ihres Wettkampftrikots an der rechten Seite durchstoßen und steckte unlösbar darin fest. Vom Mattenrand rief man schon: “Reiß es ab, wir kaufen einen neuen Anzug!” Jedoch half alles Ziehen und Reißen nicht, bis die Musik aus und die Übung zuende war. Noch größere Aufregung aber schon vorher, bereits kurz nach Eintreffen in der Wettkampfhalle: kaum war die Sporttasche geöffnet, stellte Alisa entsetzt fest: alle Anzüge liegen noch im Hotel! Bis zum Einmarsch der Finalteilnehmerinnen war es nur noch weniger als eine Stunde. In dieser Zeitspanne zum Hotel zu fahren, die Anzüge zu holen, wieder zurück zu fahren, sich umzuziehen und einzumarschieren, das schien völlig unmöglich. RSG-Abteilungsleiter Michael Bürkle versuchte es dennoch und war tatsächlich pünktlich wieder zurück. In der Halle war die Erleichterung aber schon etwas früher eingetreten: man hatte sich mit der Uhrzeit für den Einmarsch um eine Stunde vertan, so dass noch genug Zeit übrig war...
DEUTSCHE MEISTERSCHAFTEN
Schlagzeilen:
Klaudia Wittmann dreifache Deutsche Meisterin, zwei Titel
für Lisa Ingildeeva
alle Goldmedaillen gehen nach Fellbach-Schmiden
Johanna Gabor jubelt für ihre Trainingspartnerinnen
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links: Klaudia
Wittmann rechts: Lisa
Ingildeeva |
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Mehrkampf:
Die Deutsche Meisterin 2007 in der Rhythmischen Sportgymnastik heißt Klaudia Wittmann! Die Gymnastin, die am Bundesstützpunkt Fellbach-Schmiden bei Galina Krylenko trainiert und für die TSG Neu-Isenburg startet, zeigte einen sehr stabilen Wettkampf über alle vier Geräte, erhielt dreimal (Seil, Reifen, Keulen) die Höchstnote und einmal (Band) hinter Lisa Ingildeeva die zweithöchste Wertung. In Abwesenheit der leider verletzten, bis dato amtierenden Deutschen Meisterin Johanna Gabor (TSV Schmiden) konnte sich Klaudia Wittmann mit fast viereinhalb Punkten Vorsprung vom restlichen Feld deutlich absetzen. Schon vor, ganz besonders aber nach dem nationalen Titelsieg zeigte sich Klaudia selbstbewusst: “Es war ganz klar mein Ziel, hier zu gewinnen. Wir haben sehr viel trainiert und eine starke Vorbereitung gehabt, auch schon im Hinblick auf die Europameisterschaften Ende Juni in Baku. Ich freue mich besonders, dass ich bis auf die Fehler in meiner Bandübung mein Programm stabil gezeigt habe und damit meine Trainingsleistungen bestätigen konnte.”
Deutsche Vizemeisterin wurde eine Gymnastin, die scheinbar immer als “Joker” auftaucht, wenn die Favoritin ausfällt: bereits im Jahre 2002, als beim Deutschen Turnfest in Leipzig die damalige Top-Favoritin Olga Lukjanov verletzungsbedingt ausfiel, holte Annika Rejek (TSV Bayer 04 Leverkusen) völlig überraschend den Mehrkampftitel. Zwischendurch mal als Einzelgymnastin, mal in der Nationalgruppe eingesetzt, gelang ihr jetzt, fünf Jahre später, mit dem Deutschen Vizemeistertitel erneut so ein Coup. Hochachtung und allergrößter Respekt für diese Leistung!
Die Bronzemedaille ging an Lokalmatadorin Aleksandra Zapekina von Bremen 1860. Auch sie war in den letzten Wochen von Verletzungssorgen geplagt, was ihr im Wettkampf aber kaum noch anzumerken war: getragen vom heimischen Publikum zeigte sie einen sehr guten Wettkampf mit temperamentvollen Vorträgen. Aleksandra wird erwachsener und hat deutlich an Ausdruck gewonnen.
Lisa Ingildeeva (TSV Schmiden), Deutschlands letzte Olympiateilnehmerin in der Rhythmischen Sportgymnastik, kam kurz nach ihrem Comeback nun auf Platz 4 der nationalen Titelkämpfe. Nach über zweijähriger Verletzungspause sind ihr der Trainingsrückstand und konditionelle Probleme noch deutlich anzumerken, denn beides führt zu offen sichtbaren Instabilitäten im Wettkampfprogramm. “Für den Mehrkampf hatte ich mir eigentlich mehr vorgenommen, jetzt kann ich nur noch auf die Finals hoffen”, so die etwas enttäuschte Gymnastin.
Kleine und große Geschichten am Rande: Was bei Alisa Bilali die Wettkampfanzüge, waren bei Lisa Ingildeeva die Knieschoner und Schläppchen: auch sie lagen gut im Hotelzimmer verstaut, als Lisa trainingsbereit in der Wettkampfhalle eingetroffen war! So musste auch für Lisa ein kleiner Extra-Fahrdienst eingelegt werden, in diesem Fall zum Glück ohne größeren Zeitdruck. Dass nicht nur einer jungen Debütantin, sondern auch der erfahrenen Olympiateilnehmerin so ein Missgeschick passieren kann, zeigt, dass Deutsche Meisterschaften wohl doch eine recht aufregende Sache sein müssen...!
Auch Daria Stolbin (TuG Leipzig), ebenfalls Mitglied der Nationalmannschaft Einzel, hatte mit solchen Instabilitäten zu kämpfen und kam am Ende auf Platz 5 unter den insgesamt zwölf Teilnehmerinnen in der Meisterklasse. (Vollständige Siegerlisten siehe unten.)
DTB-Teamchefin Birgit Guhr äußerte sich nach dem Mehrkampf: “Klaudia Wittmann ist verdient Deutsche Meisterin geworden. Sie hat ihr Programm weitgehend stabil und gut präsentiert. Insgesamt war der Mehrkampf aber ein von zahlreichen Instabilitäten geprägter Wettkampf, und ich bin von den Leistungen der Nationalmannschafts-Kader doch ein wenig enttäuscht, zumal sie sich bei internationalen Wettkämpfen in diesem Jahr schon besser präsentiert haben.”
Kleine und große Geschichten am Rande: Ein besonderes Dankeschön gebührt der mitgereisen Physiotherapeutin Lena Weber! Nicht nur, dass sie sehr gewissenhaft und allzeit hilfsbereit ihrer Arbeit nachging und den Gymnastinnen wohltuende Muskel- (und wohl auch Seelen-) Massagen angedeihen ließ - nein, die Therapeutin vom Olympiastützpunkt Stuttgart beobachtete auch gespannt die Wettkämpfe aller Altersklassen, drückte die Daumen und fieberte kräftig mit, wenn ihre Schützlinge auf der Wettkampffläche waren.
Finale:
Ihren zweiten Meistertitel holte sich Klaudia Wittmann mit dem SEIL. Sie lag überzeugende 0,9 Punkte vor der Zweitplatzierten Alexandra Zapekina (Bremen 1860), die sich damit ihren ersten Deutschen Vizemeistertitel erturnte. Auf dem Bronzerang diesmal Annika Rejek vom TSV Bayer 04 Leverkusen. Lisa Ingildeeva verturnte ihre Seilübung komplett, mit nur 10,516 Punkten reichte es gerade mal für Platz 7.
Kleine und große Geschichten am Rande: Recht lange hatte Johanna Gabor (TSV Schmiden) überlegt, ob sie mit zu den Deutschen Meisterschaften nach Bremen reisen soll: “Es ist schon ein sehr komisches Gefühl, nur am Rand zu stehen und zuzuschauen, wenn man doch eigentlich auch auf die Fläche gehört und sogar gute Chancen hätte, ganz vorne mit dabei zu sein.” Dennoch wollte Johanna zur Unterstützung ihrer Teamkolleginnen dabei sein. Diese Unterstützung äußerte sich in der Wettkampfhalle vor allem durch lautstarkes Anfeuern, applaudieren sowie “fang!”- oder “hast du!”-Rufen. Und zwar von den Schülerinnen über die Juniorinnen bis zur Meisterklasse. Kein Wunder, dass Johanna nach dem Wochenende in Bremen noch fast eine Woche lang heiser war!
Im Finale mit dem REIFEN hieß es dann zum dritten Mal Gold für Klaudia Wittmann. Damit war sie die mit Abstand erfolgreichste Gymnastin der diesjährigen Meisterschaften. Doch auch Lisa Ingildeeva kam endlich in Fahrt, zeigte eine überzeugende Reifenübung und kam punktgleich mit Daria Stolbin (TuG Leipzig) auf den Silberrang. So gab es gleich zwei Deutsche Vizemeisterinnen mit dem Reifen und entsprechend keine Bronzemedaille.
Mit den KEULEN zeigte Lisa Ingildeeva auf einmal, dass doch noch etwas geht: exakt einen ganzen Punkt lag sie vor Trainingsgefährtin Klaudia Wittmann. Das war die erste Goldmedaille 2007 für Lisa und die erste Silbermedaille für Klaudia. Die Bronzemedaille ging an Daria Stolbin aus Leipzig.
Kleine und große Geschichten am Rande: Schön, wie sich die Goldmedaillen-Gewinnerinnen Klaudia Wittmann und Lisa Ingildeeva gegenseitig über ihre Titel freuten: jede gönnte der anderen den Erfolg und gratulierte herzlich. Die beiden starten für verschiedene Vereine - Klaudia für die TSG Neu-Isenburg und Lisa für den TSV Schmiden - aber sie trainieren ja gemeinsam in der Trainingsgruppe der für die Nationalmannschaft Einzel zuständigen Trainerin Galina Krylenko am Bundesstützpunkt Fellbach-Schmiden. So kommt es, dass die beiden nicht nur gemeinsam in der Trainingshalle stehen, sondern auch in ihrer Freizeit viel miteinander unternehmen und somit freundschaftlich verbunden sind.
Lisa Ingildeeva hatte nach dem misslungenen Seilfinale die Zähne zusammengebissen und gekämpft, steigerte sich dann sichtbar von Gerät zu Gerät und wurde am Ende dann auch Deutsche Meisterin mit dem BAND, ihr zweites Gold, wieder mit fast genau einem Punkt Vorsprung und wieder vor Teamkollegin Klaudia Wittmann, die damit ihren Medaillensatz auf dreimal Gold und zweimal Silber komplettierte. Bronze ging noch einmal an die Leipzigerin Daria Stolbin.
Medaillenspiegel:
DEUTSCHE MEISTERSCHAFTEN:
1.) 3x Gold + 2x Silber: Klaudia Wittmann
(TSG Neu-Isenburg / BSP Fellbach-Schmiden)
2.) 2x Gold + 1x Silber: Lisa Ingildeeva
(TSV Schmiden / BSP Fellbach-Schmiden)
3.) 1x Silber + 2x Bronze: Daria Stolbin
(TuG Leipzig / BSP Halle-Leipzig)
4.) 1x Silber + 1x Bronze: Annika Rejek
(TSV Bayer 04 Leverkusen)
4.) 1x Silber + 1x Bronze: Aleksandra Zapekina
(Bremen 1860 / BSP Bremen)
DEUTSCHE JUGENDMEISTERSCHAFTEN:
1.) 2x Gold + 2 x Silber + 1x Bronze: Annette Negare
(TSV Schmiden / BSP Fellbach-Schmiden)
2.) 2x Gold + 2x Silber: Karolina Raskina
(TSV Schmiden / BSP Fellbach-Schmiden)
3.) 2x Gold + 3x Bronze: Alisa Bilali
(TSV Schmiden / BSP Fellbach-Schmiden)
4.) 1x Bronze: Ekaterina Klat (Bremen
1860 / BSP Bremen)
BUNDESFINALE SCHÜLERLEISTUNGSKLASSE:
1.) 4x Gold + 1x Silber: Laura Jung
(TV Sankt Wendel)
2.) 1x Gold + 2x Silber: Romina Lass
(Blumenthaler TV Bremen / BSP Bremen)
3.) 2x Silber + 1x Bronze: Stella Schwegmann
(TV Sankt Wendel)
4.) 2x Bronze: Erika Schmalz
(Bremen 1860 / BSP Bremen)
5.) 1x Bronze: Alexandra Kuhn
(TSV Schmiden / BSP Fellbach-Schmiden)
5.) 1x Bronze: Vivien Niklas
(TuG Leipzig / BSP Halle-Leipzig)
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| letzte Änderung: 12. Februar 2008 | Copyright © 2007-2008 Ulrich M. Mehringer, Thomas Schütte |