Logo Bundesstützpunkt/STB-Landesleistungszentrum Rhythmische Sportgymnastik Fellbach-Schmiden im Olympiastützpunkt Stuttgart

Weltmeisterschaften 2007 mit Olympiaqualifikation in Patras/Griechenland


Johanna Gabor (o.l.) und Lisa Ingildeeva (o.r.), beide TSV Schmiden / Bundesstützpunkt Fellbach-Schmiden, starten für Deutschland

ebenfalls am Start: Daria Stolbin (u.r., TuG Leipzig / Bundesstützpunkt Halle-Leipzig). Klaudia Wittmann (TSG Neu-Isenburg / Bundesstützpunkt Fellbach-Schmiden, u.l.) wurde nicht nominiert.

(Fotos: Bernd Thierolf (3), Martin Hangen (1))

Im Patras finden vom 16. bis 23. September 2007 die 28. Weltmeisterschaften der Rhythmischen Sportgymnastik statt. Ausgelobt sind die Titel im Team-Wettkampf, im Einzel-Mehrkampf und in vier Gerätefinals. Zugleich werden auch die Gruppen-Titel ausgeturnt, ebenfalls Mehrkampf und Finals.

Die WM in Patras ist zugleich Qualifikationswettkampf für die Olympischen Spiele 2008 in Peking. Hierzu ist der Qualifikationsmodus komplett neu gestaltet worden. Während 2003 in Budapest bereits das Team-Ergebnis zählte, sind diesmal die 20 besten Gymnastinnen des Einzelmehrkampfs für die Olympischen Spiele 2008 qualifiziert. Weitere 4 Olympia-Startplätze werden nach festgelegten Kriterien als Wildcards vergeben.

WM-WETTKAMPFMODUS und OLYMPIA-QUALIFIKATIONSMODUS:

EINZEL

Wettkampf I (Team-Wettkampf, 16.-19. September): Jede Nation hat insgesamt 12 Übungen zu absolvieren: jedes Gerät wird pro Nation dreimal geturnt. Dabei kann eine unterschiedliche Anzahl von Gymnastinnen eingesetzt werden. Da Deutschland nur mit 3 Gymnastinnen an den Start geht, müssen unsere Gymnastinnen jeweils alle vier Geräte turnen. Aus den insgesamt 12 Übungen je Team werden jeweils die schlechtesten beiden Noten gestrichen, so dass 10 Wertungen in das Endergebnis eingehen. Der Team-Wettkampf qualifiziert für die Wettkämpfe II und III.

Wettkampf II (Einzel-Mehrkampf, 21. September): Die besten 24 Gymnastinnen aus Wettkampf I qualifizieren sich für den Einzel-Mehrkampf, wobei jede Nation maximal 2 Gymnastinnen stellen kann. Da die Gymnastinnen in Wettkampf I eine unterschiedliche Anzahl von Übungen turnen können, gehen NUR DIE BESTEN DREI WERTUNGEN pro Gymnastin in die Qualifikation ein. Bei Gymnastinnen, die 4 Geräte geturnt haben, wird die schlechteste Wertung gestrichen. Wettkampf II qualifiziert für die Olympischen Spiele 2008 in Peking.

Wettkampf III (Gerätefinals, 17. und 19. September): Die jeweils 8 besten Gymnastinnen pro Einzelgerät aus Wettkampf I turnen in den Gerätefinals, wobei pro Nation maximal 2 Gymnastinnen in ein Finale einziehen können. Die Gerätefinals mit Seil und Reifen finden am 17. September statt, die Finals mit Keulen und Band am 19. September.

Olympia-Qualifikation: Die besten 20 Gymnastinnen aus Wettkampf II sind für die Olympischen Spiele 2008 in Peking qualifiziert. Weitere 4 Startplätze werden nach festgelegten Kriterien (kontinentale Ausgewogenheit + ggf. Ausrichterstartrecht) als Wildcards vergeben. - Für eine deutsche Gymnastin ist der Einzug unter die besten 20 Gymnastinnen jedoch nicht ausreichend, da der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) für eine Entsendung zu den Olympischen Spielen 2008 mindestens Platz 12 fordert. Erreicht eine deutsche Gymnastin die Plätze 13 bis 20, ist sie offiziell qualifiziert, wird aber dennoch vom DOSB nicht zu den Spielen nominiert.

GRUPPEN:

Mehrkampf (21.-22. September): Jede Nationalgruppe turnt zwei Übungen, deren Wertungen im Mehrkampf zusammengezählt werden. Der Mehrkampf qualifiziert für die Olympischen Spiele 2008 in Peking.

Gerätefinals (23. September): Die jeweils 8 besten Nationalgruppen pro Einzelgerät bzw. Gerätekombination aus dem Mehrkampf qualifizieren sich für die Finals.

Olympia-Qualifikation: Die besten 10 Nationalgruppen aus dem Mehrkampf qualifizieren sich für die Olympischen Spiele. Weitere 2 Startplätze werden nach festgelegten Kriterien (siehe Einzel) als Wildcards vergeben. Für die Gruppen-Qualifikation gibt es keine nationale Einschränkung seitens des DOSB.

SAMSTAG, 15. SEPTEMBER 2007

Für die deutschen Einzelgymnastinnen wird die Teilnahme an den Weltmeisterschaften ein außerordentlich schwieriger Einsatz. Zum einen ist eine Olympia-Qualifikation ungleich schwieriger erreichbar als bei den Gruppen, zum anderen gab es auch in der langen Vorbereitungsphase nicht die besten Vorzeichen. Die derzeitige Nr.1 in Deutschland, Johanna Gabor (TSV Schmiden), ist erst seit kurzem von mehrfachen Bänderrissen genesen und hatte sich dann auch noch eine Muskelverhärtung im Rücken zugezogen, so dass sie kurzfristig ihr letztes Vorbereitungsturnier in Deventer / Niederlande absagen musste (siehe unser Bericht vom 02.09.2007). Auch Lisa Ingildeeva (TSV Schmiden) hat ja eine lange Verletzungspause hinter sich. Sie steht zwar schon länger wieder im Wettkampfgeschehen, hat aber ihre alte Form bisher noch nicht wieder erreichen können. Daria Stolbin (TuG Leipzig) und Klaudia Wittmann (TSG Neu-Isenburg) waren bis heute für die restlichen Übungen vorgesehen. Überraschend entschied sich DTB-Teamchefin Birgit Guhr (Leipzig) jedoch heute gegen eine Nominierung von Klaudia Wittmann, so dass auch Daria Stolbin (TuG Leipzig) nun alle vier Geräte absolvieren muss. Für die Neu-Isenburgerin Klaudia Wittmann ist diese Entscheidung bitter, insbesondere dadurch, dass sie sie erst wenige Stunden vor der Abreise nach Griechenland erfahren hat und die WM-Teilnahme in Patras der Höhepunkt ihrer Karriere hätte werden sollen.

SONNTAG, 16. SEPTEMBER 2007

Heute, am ersten Tag des Team-Wettkampfs, zeigten die drei deutschen Einzelgymnastinnen ihre Übungen mit dem Reifen. Unter den 117 Einzelgymnastinnen aus 50 Nationen hat sich das deutsche Team vorläufig auf einen ordentlichen 14. Platz geturnt. Im Hinblick auf die Qualifikation für das Mehrkampf-Finale liegt Johanna Gabor (TSV Schmiden) zur Zeit auf Platz 18. Da es 24 Startplätze gibt und jede Nation nur 2 Starterinnen haben darf, scheint der Einzug zumindest machbar. Johanna startete mit einer nahezu fehlerfreien Reifenübung in die WM und erhielt dafür 15,700 Punkte. Tolle Leistung, Johanna! Auch Lisa Ingildeevas (TSV Schmiden) Reifenübung war ordentlich, kleine Fehlerchen, aber keine Geräteverluste: 15,175 Punkte. Pech hatte dagegen Daria Stolbin (TuG Leipzig), deren Reifen so weit außerhalb der Wettkampffläche landete, dass auch die Athletin die Fläche verlassen musste, um ihn zurück zu holen. Bitterer Punktabzug: Endnote 13,050.

Zwischenergebnis Team-Wettkampf: Russland führt vor Weißrussland und Aserbeidschan. In der Qualifikation für den Einzelmehrkampf führt Olga Kapranova (RUS) vor Vera Sessina (RUS) und Inna Zhukova (BLR).

MONTAG, 17. SEPTEMBER 2007

Heute ging es für Johanna Gabor, Lisa Ingildeeva und Daria Stolbin mit dem Seil auf die Wettkampffläche. Leider lief es insgesamt weniger gut als gestern und die deutsche Mannschaft rutscht vorläufig auf Platz 16 zurück. Das Team hatte am heutigen Vormittag die schwierige Aufgabe, den Wettkampf als Erste zu beginnen. Johanna Gabor leistete sich kleine Fehler in der Gerätetechnik, hatte das Seil nicht vollständig unter Kontrolle, erreichte mit einer ansonsten guten Übung aber immerhin 15,025 Punkte. Ganz und gar nicht zufrieden konnte dagegen Lisa Ingildeeva sein. Ihr Seil gehorchte einfach nicht ihren Vorstellungen. Immerhin gab es keine Geräteverluste, doch das Seil verhakte sich gleich mehrmals, so dass es spürbare Punktverluste gab: nur 13,600 Zähler, 1,5 weniger als gestern, da hatte sie sich durchaus mehr erhofft. Nur hauchdünn dahinter lag mit 13,575 Punkten Daria Stolbin, die ihr gestriges Reifenpech offensichtlich vergessen hatte und sich um einen halben Punkt verbesserte.

Zwischenergebnis Team-Wettkampf: Russland führt nach wie vor, gefolgt von Weißrussland und Aserbeidschan. Durch die Aufgabe der verletzten Natalia Godunko ist die mitfavorisierte Ukraine raus aus dem Teamwettkampf. In der Qualifikation für den Einzelmehrkampf verbesserte sich Johanna Gabor vorläufig auf Platz 20 und wäre damit weiter. Lisa Ingildeeva (z.Zt. Platz 55) und Daria Stolbin (z.Zt. Platz 82) sind chancenlos.

Am Abend wurden in den Gerätefinals mit Seil und Reifen die ersten Medaillen der WM vergeben. Auch hier waren die zur Zeit uneinholbaren Russinnen wieder vorn. Mit dem Seil ging GOLD an Vera Sessina (RUS 18,600) vor ihrer Teamkollegin Olga Kapranova (RUS 18,500), die SILBER erhielt. Die BRONZE-Medaille erhielt Inna Zhukova aus Weißrussland mit 17,900 Punkten. - Mit dem Reifen tauschten die ersten beiden Gymnastinnen die Plätze: Diesmal lag Olga Kapranova vorn (18,450), gefolgt von Vera Sessina (18,250). Die Bronzemedaille mit dem Reifen ging mit Anna Bessonova (18,175) in die Ukraine.

DIENSTAG, 18. SEPTEMBER 2007

Am heutigen dritten Tag des Teamwettkampfs begannen die Übungen mit Keulen und Band. Für das deutsche Team waren die drei Bandübungen zu absolvieren. Das Pech mit der Gerätehandhabung scheint sich durch die Mannschaft zu ziehen: während am ersten Tag Daria Stolbin mit dem Reifen patzte und am zweiten Tag Lisa Ingildeevas Seil sich verhakte, musste heute Johanna Gabor mit dem Band einen Geräteverlust hinnehmen. Mit 14,675 liegt sie deutlich unter ihren Vornoten. Da für die Qualifikation ins Mehrkampffinale nur drei Noten zählen, hofft Johanna morgen auf eine gute Keulenübung, so dass die heutige Bandwertung zur Streichnote wird. Erstmalig bei dieser WM lag Lisa Ingildeeva mit 14,800 Punkten noch vor Johanna Gabor. Lisas Bandübung war fehlerfrei vorgetragen, und Fachleute in der Halle empfanden die Wertung sogar noch als überraschend niedrig. Auch Daria Stolbin leistete sich heute keine größeren Fehler, geriet lediglich choreographisch ein wenig aus der Musik heraus und erreichte mit 13,950 Punkten immerhin ihre bisher beste Note bei dieser WM.

Weder für Deutschland noch für das Spitzentrio haben sich in Sachen Zwischenstand Änderungen ergeben: Deutschland hält den 16. Platz von gestern, es führt nach wie vor Russland vor Weißrussland und Aserbeidschan. In der Qualifikation für den Einzelmehrkampf büßte Johanna Gabor durch ihren Geräteverlust leider drei Plätze ein und liegt nun vorläufig auf Platz 23. Ihre beiden Teamkolleginnen dagegen machten einige Plätze gut, Lisa verbessert sich auf Platz 47, Daria auf Platz 74. Da aber nur die ersten 24 in das Mehrkampffinale einziehen, ist in erster Linie Johannas Endnote wichtig für das deutsche Team.

MITTWOCH, 19. SEPTEMBER 2007

Das vierte und damit letzte Gerät für die deutsche Nationalmannschaft waren heute die Keulen. Insgeheim hatte man in der Mannschaft ja bereits gehofft, dass hier noch einiges zu holen war. Die Hoffnung ging auf - mit den Keulen wurde das beste Tagesergebnis der WM erzielt! Johanna Gabor heute wieder temperamentvoll und ohne größere Fehler, belohnt mit 15,700 Punkten! Auch ihre beiden Teamkolleginnen mussten heute keine größeren Fehler hinnehmen und erturnten sich mit ordentlichen Leistungen 15,000 (Lisa Ingildeeva) bzw. 13,875 Punkte (Daria Stolbin). Mit dieser Leistung schafften die Drei es, ihren 14. Mannschaftsrang vom Eröffnungstag zurück zu erobern, während sie an den letzten beiden Tagen noch auf Platz 16 gelegen hatten. Unter den insgesamt 31 Teams also letztendlich Platz 14 für die deutsche Nationalmannschaft.

In der Spitze hatte sich ja bereits an den letzten Tagen abgezeichnet, dass es nahezu unmöglich war, das führende Trio nochmal aufzumischen. So blieb es also auch beim Endstand: Mannschafts-WELTMEISTER Russland (183,050) vor VIZEWELTMEISTER Weißrussland (168,775) und auf dem Bronzerang Aserbeidschan (163,750).

In der Qualifikation für das Mehrkampffinale der besten 24 Gymnastinnen hat Johanna Gabor den Einzug geschafft! Hierzu gratulieren wir ganz besonders herzlich! Wie gestern bereits erhofft, wurde die Bandübung zur Streichnote. Und heute hatte sie mit den Keulen nochmal alles gegeben. Da pro Land nur zwei Gymnastinnen ins Mehrkampffinale einziehen dürfen, ist Johanna als 22. der Qualifikation in den Einzel-Mehrkampf eingezogen.

Heute war wirklich ein Tag der Entscheidungen. So wurde nicht nur der Team-Weltmeistertitel vergeben und die Qualifikation für das Mehrkampffinale abgeschlossen, sondern es wurden auch noch zwei weitere Weltmeistertitel vergeben: am Abend fanden die Gerätefinals mit Keulen und Band statt. Wie schon in den ersten beiden Finals am Montag, so gingen auch heute die Titel zu gleichen Teilen an die beiden führenden Russinnen: Mit den Keulen gewann Olga Kapranova (18,650) vor Anna Bessonova (18,400) aus der Ukraine, die am Montag bereits Bronze mit dem Reifen gewonnen hatte und nun mit den Keulen sogar Silber erhielt. Vera Sessina (18,350) kam diesmal auf den Bronzerang. - Neue Weltmeisterin mit dem Band ist Vera Sessina (18,650), Anna Bessonova (18,350) erhielt noch eine weitere Silbermedaille und Bronze ging diesmal an Alina Kabaeva (17,225), der dritten Gymnastin in russischen Team. Für Alina ist es besonders bitter, aus einem so weltdominierenden Team heraus zu starten. Sie war viertbeste Gymnastin der Einzelwertung und fällt dennoch aus der Qualifikation für das Mehrkampffinale hinaus, da noch zwei weitere Gymnastinnen ihres Teams (Sessina und Kapranova) vor ihr liegen und pro Nation nur zwei Gymnastinnen einziehen dürfen.

DONNERSTAG, 20. SEPTEMBER 2007

Heute ist “Wettkampffrei” für die Gymnastinnen in Patras! Lisa Ingildeeva und Daria Stolbin haben ihre Wettkämpfe bereits abgeschlossen. Johanna Gabor hat nicht wirklich frei, sondern trainiert natürlich fleißig, denn sie geht morgen als einzige deutsche Gymnastin in das Mehrkampffinale, wozu wir ihr alles erdenkliche Glück wünschen! Dasselbe gilt für die deutsche Nationalgruppe, deren Wettkämpfe am Samstag beginnen.

FREITAG, 21. SEPTEMBER 2007

ENDLICH:   ANNA BESSONOVA IST WELTMEISTERIN !!!

SCHADE:    OLYMPIA-TRAUM FÜR JOHANNA GABOR GEPLATZT

Das ist die Königsdisziplin in der Rhythmischen Sportgymnastik: der Mehrkampf! Hier kann man sich nicht auf sein Spezialgerät verlassen, hier muss man viermal perfekt durchturnen, eine stabile Leistung über alle vier Geräte zeigen. Jeder auch noch so kleine Fehler frisst sich unbarmherzig in die Endnote ein.

Wie oft hatten die Fans schon für Anna Bessonova gefiebert? Viele bezeichneten sie schon seit Jahren als die eleganteste Gymnastin der Welt. Ihre unglaublich ausdrucksvollen Choreographien waren und sind stets eine Augenweide. Während die meist unschlagbar dominierenden Russinnen eher plakativ auftreten, zirkusreife Übungen aufführen, zeigt Anna Bessonova stets Kunst, tänzerische Vollendung, Perfektion der Choreographie. Wie oft wurde sie schon als Olympiasiegerin, Welt- oder Europameisterin deklariert und wurde es dann doch nicht? Warum, das war nicht immer nachvollziehbar, aber vom “internationalen” russischen Trainingscamp einer scheinbar allmächtigen Cheftrainerin Irina Viner (die besten Gymnastinnen vieler anderer Länder trainieren - gegen Bezahlung - ebenfalls im russischen Gymnastik-Zentrum) geht offensichtlich eine Macht aus, die selbst bei effektiv besserer Leistung der Konkurrenz nicht zu schlagen war.

Doch dann zeigt sich, dass letztendlich im Spitzensport - zum Glück - immer noch Perfektion zählt. Die Konkurrenz hat ihr Programm nicht fehlerfrei absolviert, unverzeihlich in der engsten Weltspitze. Bessonova dagegen zog ihr Programm durch und wurde - endlich - mit einem Titel belohnt. Und der kann sich sehen lassen: Anna ist WELTMEISTERIN !

Quer durch das Mehrkampffinale zog sich die Erkenntnis, dass nur punkten kann, wer dem unendlichen Druck und Stress des Wettkampfprogramms standhalten konnte. Vier Geräte an vier Tagen als Qualifikation, ein Tag Pause, dann vier Geräte an einem Tag. Sessina und Kapranova, mit den Einzelgeräten stets vorn, hielten diesem Druck nicht stand. Beide blieben nicht fehlerfrei und mussten dafür wertvolle Punkte lassen.

Anna Bessonova (73,950) lag in drei von vier Wertungen vorn. Damit war sie unschlagbar und erntete Standing Ovations. Nur mit dem Band lag Vera Sessina (mit 73,900 nur hauchdünn geschlagen) noch knapp vor ihr. Titelverteidigerin Olga Kapranova hielt dem Wettkampfdruck nicht stand, leistete sich viele Fehler und musste sich heute mit 70,700 Punkten und der Bronzemedaille zufrieden geben. Auf den Plätzen 4 bis 6 folgen Inna Zhukova (BLR), Aliya Garaeva (AZE) und Aliya Yussupova (KAZ). Die besten 24 Gymnastinnen aus dem Teamwettkampf waren im Mehrkampffinale vertreten - die besten 20 davon haben sich für die Olympischen Spiele 2008 in Peking qualifiziert. Zwei Startpläte in Peking erturnten sich Russland, Weißrussland, Bulgarien, Israel, Aserbeidschan und die Ukraine. Einen Startplatz erhielten Canada, Spanien, Griechenland, Korea, Usbekistan, Österreich, Estland und Polen. Drei Wildcards werden von der F.I.G. vergeben, eine vom IOC. Vier Gymnastinnen des Mehrkampffinals mussten ihre Olympia-Hoffnungen begraben, darunter leider auch Johanna Gabor aus Deutschland als 22. des Mehrkampfs. Mit derselben Platzierung war sie in das Finale eingezogen. Einen wunderbaren Rekord erreichte Almudena Cid Tostado aus Spanien (65,650 Punkte, Platz 11): die inzwischen immerhin 27-jährige Gymnastin holte sich die vierte (!) Olympia-Qualifikation!

Johanna Gabor hatte einen tollen Start mit dem Reifen (15,650), fehlerfrei, wenn auch verhalten und auf Sicherheit geturnt. Mit den Keulen dann aber die erste Konzentrations-Panne: ein kleiner, wenig später ein großer Geräteverlust, 14,975 Punkte. Die Bandübung dann wieder überzeugend (15,225). Doch dann der Schock: das Seil gerät außer Kontrolle, landet außerhalb der Wettkampffläche; dadurch aus dem Konzept gebracht noch ein weiterer Geräteverlust und eine niederschmetternde Note (13,850): auch wenn andere Teammitglieder sich über eine solche Wertung freuen würden - für Johanna Gabor und ihr Wettkampfniveau war es das Aus für ihre Olympia-Hoffnungen. Doch man muss auch realistisch bleiben. Es gab eine realistische Chance, sich unter die ersten 20 qualifizierten Gymnastinnen zu turnen. Die nationale Vorgabe des DOSB für die tatsächliche Entsendung nach Peking aber, sprich Platz 12, war für Johanna realistisch nicht mehr erreichbar. Schade!

Nun liegen alle Hoffnungen des Deutschen Turner-Bunds auf der Nationalgruppe, die am Samstag ihre Mehrkampf-Qualifikation, am Sonntag ggf. ihre Finals bestreiten wird. Die besten 10 Gruppen der Qualifikation erhalten einen Startplatz in Peking.


Inhalt* Gymnastinnen* Meldungen* Termine


letzte Änderung: 12. Februar 2008 Copyright © 2007-2008 Ulrich M. Mehringer, Thomas Schütte