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Rhythmische Sportgymnastik Fellbach-Schmiden im Olympiastützpunkt
Stuttgart

Junioren-Europameisterschaften 2008 in Turin/Italien


Sara Radman

(Foto: Bernd Thierolf)

Teamwettkampf Juniorinnen: Russland führt nach 2 Geräten, Deutschland derzeit auf Platz 10 von 33.
Gerätequalifikation Juniorinnen: Deutsche Gymnastin Sara Radman im Finale!

Nach zwei von vier Geräten des Junioren-Teamwettkampfs führen die russischen Gymnastinnen (52,025) deutlich vor Weißrussland (50,375), Bulgarien (48,850) und der Ukraine (48,600). Das deutsche Team mit Sara Radman und Camilla Pfeffer (beide TSV Schmiden) liegt derzeit hinter den italienischen Gastgeberinnen (46,225) mit 45,875 Punkten auf Platz 10 der insgesamt 33 angetretenen Teams. Damit liegen Radman und Pfeffer genau in der Vorgabe des Deutschen Turner-Bundes (DTB).

Camilla Pfeffer, die ihre Übung mit dem Reifen absolvieren musste, hatte zunächst etwas Pech: Die Organisatoren hatten versäumt, Pfeffers Wertungsblatt in die Kampfrichtermappen einzulegen. Bis die Jury komplett versorgt war, vergingen über drei Minuten. Hoch motiviert und selbstbewusst war sie an die Fläche gekommen: "Ich war richtig gut drauf, auf den Punkt warm und vorbereitet und wollte nur noch loslegen. Das Warten war schrecklich, ich wurde immer nervöser, und das hat man in meiner Übung dann leider auch gesehen. Ich war nicht unzufrieden, aber ich hätte noch mehr draus machen können." Das bestätigte auch DTB-Teamchefin Birgit Guhr: "In der ersten Hälfte der Übung gab es mehrere kleine Unsicherheiten, die sich in einem so exzellent besetzten Wettkampf natürlich sofort auswirken. So gesehen hat Camilla sogar noch eine recht gute Wertung bekommen." Pfeffer erhielt 22,050 Punkte.

Für eine Riesenüberraschung sorgte Sara Radman, die sich als fünftbeste Juniorin Europas mit dem Seil ins Finale turnte! Sichtlich glücklich sagt sie danach: "Ich bin komplett zufrieden mit meiner Übung, weil einfach nichts schiefgegangen ist. Vor so einer großen Kulisse habe ich eine perfekte Übung hingelegt." Und dies war kein Eigenlob, sondern entsprach der Wahrheit. Auch dies bestätigte Teamchefin Birgit Guhr: "Ich bin sehr zufrieden, Sara hat alles abrufen können, was wir im Training vorbereitet haben. Besonders freut mich, dass sie das Finale erreicht hat."

2 kleine Geschichten am Rande:

Völlig überrascht war Nadja Potosova Trainerin der TSG Tübingen, als ihr eine Woche vor den Europameisterschaften eröffnet wurde, dass sie eine Reise nach Turin geschenkt bekommen wird. Eine Delegation aus Schmiden nahm die so Beschenkte mit nach Italien. Warum? Beide Gymnastinnen des deutschen Teams, Sara Radman und Camilla Pfeffer, kommen ursprünglich von der TSG Tübingen und wurden dort von ihrer Trainerin, die sie einfach nur Nadja nennen durften, hervorragend ausgebildet. Solch eine professionelle Grundausbildung ist es letztlich, die den Sprung an einen der Bundesstützpunkte, oder wie in diesem Fall sogar in die Nationalmannschaft ermöglicht.

Isabell Niethammer, langjährige und erfahrene internationale Kampfrichterin des TSV Schmiden, des Schwäbischen Turnerbundes und des Deutschen Turner-Bundes, ist in Turin zu noch höheren Weihen berufen worden: zum ersten Mal in ihrer Kampfrichterkarriere wertete sie nun mit den Europameisterschaften einen offiziellen internationalen Titelwettkampf.

Camilla Pfeffer

(Foto: Thomas Schütte)

Ergebnisse Team Juniorinnen
01. RUS 103,800
02. BLR 100,950
03. UKR 97,375
04. BUL 96,925
05. HUN 95,325
06. ROM 94,150
07. ITA 94,075
08. ESP 93,500
09. GRE 93,050
10. GER 91,625
11. CYP 91,125
12. ISR 90,175
...
33. Nationen insgesamt

Das deutsche Team mit Camilla Pfeffer und Sara Radman (beide TSV Schmiden) konnte seinen guten zehnten Platz vom Vortag halten und hat damit die Erwartungen des Deutschen Turner-Bunds und seiner RSG-Teamchefin Birgit Guhr voll erfüllt. Sara Radman erreichte darüberhinaus ihr absolutes Traumziel: als Sechste mit dem Ball zieht sie auch in dieses Gerätefinale ein! Damit hat sie in beiden Übungen (tags zuvor Fünfte mit Seil) die Finals erreicht und hofft dort nun auf ähnlich gute Ergebnisse.

Es war eine äußerst kurze Nacht für das DTB-Team. Um halb fünf musste man aufstehen, um alle Vorbereitungen für die erste Startzeit treffen zu können! Camilla Pfeffer, gleich an Startposition 2, hat mit dem Band zwar einen großen Wurf nicht fangen können, ansonsten turnte sie sich aber deutlich stabiler als am ersten Wettkampftag durch ihre Übung. "Das frühe Aufstehen ist ein Horror für mich. Wenn ich um sechs oder halb sieben in der Trainingshalle stehe, macht mein Körper einfach noch nicht so mit, wie ich will. Da muss ich mich ganz besonders bei unserer Team-Chefin Birgit Guhr bedanken, die mich ganz toll motiviert und mir damit super geholfen hat! Zur Startzeit um 9:02 Uhr habe ich mich dann richtig wohl gefühlt, besser als gestern. Gern hätte ich in meiner Übung noch etwas mehr Sicherheit rübergebracht, aber es war realistisch und in Ordnung." Camilla Pfeffer wurde mit 21,800 Zählern Fünfzehnte in der Band-Qualifikatiion, ebenso wie schon am Vortag mit dem Reifen.

Auch Sara Radman wiederholte ihre gute Leistung vom Vortag, wurde in der Ball-Qualifikation mit 23,950 Punkten Sechste und freute sich: "Das war das Höchste, was ich mir je hätte vorstellen können. Beide Finals zu erreichen, das hatte ich zwar gehofft, aber es war mein Traumergebnis und ich wusste nicht, ob ich das schaffen könnte. Hoffentlich läuft's morgen nochmal genauso gut!" Zu der eher langsam gewählten Musik turnte Sara Radman sehr ausdrucksvoll, spielte mit Körpersprache und Gesichtsausdruck und bekam dafür viel Applaus vom Publikum. Alle Würfe gefangen, vor allem den sehr riskanten Abschlusswurf, und sehr lang und präzise ausgeführte Pirouetten taten das Übrige für den Finaleinzug.

Russland (103,800) hat den Teamwettkampf der Junioren-Europameisterschaften 2008 in Turin (Italien) gewonnen. Im Palasport Olimpico, Olympiahalle der Winterspiele von 2006, überzeugte das vierköpfige Team die Kampfrichterinnen am meisten. Daria Dimitrieva zeigte eine absolut fehlerfreie Bandübung, eine sehr tänzerisch angelegte Kür. Yana Lukonina mit dem Ball nicht ganz so perfekt, aber immer noch eine Augenweide. "Passion lives here", lautete das Motto der damaligen Winterspiele: "Hier lebt die Leidenschaft". Und das kann man auch über die Junioren-Wettkämpfe der diesjährigen EM sagen: "Selten, vielleicht sogar nie habe ich eine Junioren-EM mit so einem hohen Niveau gesehen", sagte Galina Krylenko, die Cheftrainerin des Bundesstützpunkts Fellbach-Schmiden, die unter den Zuschauern zu finden war und sich an den Höchstleistungen der besten europäischen Juniorinnen sichtlich erfreute.

Auf Platz zwei kam mit 100,950 Punkten Weißrussland. Die Platzierung geht in Ordnung, der Abstand zu den Russinnen erschien aber doch vielen etwas zu hoch ausgefallen, denn auch die jungen Weißrussinnen zeigten ein Wettkampfniveau, dass mit so mancher Gymnastin der Meisterklasse (Aktive) hätte mithalten können. Das dreiköpfige Team der Republik Belarus erturnte auch in allen Final-Qualifikationen Platz 2: Zweimal Melitina Staniouta (Seil und Band) sowie je einmal Aliksandra Narkevich (Reifen) und Hanna Rabtsava (Ball).

Der Bronzerang ging an das Juniorinnen-Team aus der Ukraine. Hier wurden 97,375 Punkte erreicht. Heute gefiel vor allem Viktoria Mazur mit ihrer ungewöhnlichen Ballübung, sehr romantisch, sehr elegant, ganz in Weiß und zu modernisierter klassischer Musik von Franz Schubert. Dafür erhielt sie dann auch die höchste Wertung des ukrainischen Teams: 24,975.

Vielleicht noch einige kleine Anmerkungen zu Gymnastinnen, die besonders positiv auffielen. Zum Bespiel Irina Lalciu aus Rumänien mit ihrer überaus sehenswerten Bandübung. Selten sieht man, ausgerechnet mit dem schwierigen Gerät Band, eine so saubere, so stabile und so schöne Kür. Oder Natalia Garcia aus Spanien, die mit ihrer Ballübung als Elfte zwar nicht das Finale erreichte, aber durch sehr klassische Kür, gute Technik und großes Ausdrucksvermögen das Publikum sehr begeisterte. Und sehr überzeugend auch das Juniorinnen-Team aus Zypern, ganz besonders Chrystal Trikomitou, die übrigens in Moskau trainiert und heute eine sehr ästhetische und sehr sicher ausgeführte Ballübung zeigte und damit für Zypern eine Finalteilnahme sicherte (sie kam in der Qualifikation hinter Sara Radman auf Platz 7).

links: die russischen Gymnastinnen bedanken sich beim Publikum

rechts: russische Fans jubeln für ihre Gymnastinnen

(Fotos: Thomas Schütte)

Kurzinterview mit der DTB-Teamchefin Birgit Guhr (das Interview führte Thomas Schütte)

Frau Guhr, mit dem zehnten Platz in der Teamwertung und dem Einzug in zwei Gerätefinals haben Sie und Ihr Team alle Vorgaben und Erwartungen erfüllt, dazu zunächst meine Gratulation! Wie war die Athmosphäre im Team während der Vorbereitung der EM und zuletzt im Wettkampf?

Es war in Kienbaum eine sehr gute Atmosphäre und eine sehr gute Zusammenarbeit, vor allem immer ausgerichtet auf das Ziel.

Wie ist im internationalen Vergleich ein zehnter Platz in der Teamwertung einzuschätzen?

Insgesamt ist in der Juniorenkonkurrenz sehr deutlich zu erkennen, dass in vielen Ländern sehr konzentriert gearbeitet wird. Das Gesamtniveau ist ungeheuer gestiegen, und um vorn mitmischen zu können, muss man zunächst mal eine stabile Mehrkampfleistung zeigen. Unter der Sicht geht der zehnte Platz in Ordnung, aber wir haben auch noch Reserven.

Kommen wir zu den Einzelleistungen der Gymnastinnen. Da wäre zunächst Sara Radman, die mit beiden Geräten (Seil und Ball) den Einzug in die Gerätefinals geschafft hat. Die Frage, ob Sie damit zufrieden sind, erübrigt sich vermutlich. Doch: hat Sara im Wettkampf auch alle Trainingsleistungen abrufen können und Sie - neben den nackten Ergebnissen - auch fachlich überzeugt?

Sara hat vor allem im Seil ihre derzeitigen Trainingsleistungen zu 100 Prozent bestätigt. Sie hat sich ideal vorbereitet, sowohl körperlich als auch mental. Mit dem Seil war es wirklich eine optimale Präsentation, die eigentlich nicht besser hätte sein können in Sachen Stabilität, Technik, Ausdruck und Übereinstimmung zwischen Musik und Bewegung. Im Ball hat sie eine sehr gute Leistung gezeigt, mit einer kleinen kaum sichtbaren Unsicherheit mit dem Handgerät, aber sehr sauber und zum Publikum orientiert.

Was genau erwarten Sie von Sara Radman morgen in den Gerätefinals?

Ich erwarte vor allem, dass sie in Präsentation und Stabilität nochmal die Leistungen des Mehrkampfs bestätigen kann. Mehr als im Mehrkampf zu erwarten, wäre für mich zu diesem Zeitpunkt nicht angebracht. Wünschen würde ich mir, dass sie es im Finale schafft, ihre Ballübung in der Art zu präsentieren, wie das Seil im Mehrkampf.

Als zweite JEM-Starterin hatten Sie Camilla Pfeffer nominiert, die in den Einzelwertungen pro Gerät jeweils an fünfzehnter Position unter den 33 Teilnehmerinnen lag. Was sagen Sie zu den beiden Übungen von Camilla Pfeffer?

Camilla hat sich insgesamt für den ersten Mehrkampftag sehr konzentriert vorbereitet. Da wir in direkter Vorbereitung vor dem Betreten der Wettkampffläche fast 10 Minuten warten mussten, da ein Formblatt für die Bewertung bei den Kampfrichterinnen fehlte, wurde Camilla immer nervöser, und das war leider vor allem in der ersten Hälfte der Übung zu erkennen und führte dann auch zu einem Stabilitätsfehler. Die zweite Hälfte hat sie ohne weitere technische Fehler geturnt und sich auch gut präsentiert. Am zweiten Tag hatten wir das fragwürdige "Glück", mit Camilla um 9:02 unsere erste Wettkampfübung zu turnen, und zu der sehr frühen Vorbereitungszeit schlief der Körper noch ein bisschen. So hatten wir auch gut zu tun, um in Gang zu kommen, um das, was wir trainiert haben, auch im Wettkampf zeigen zu können. Das ist ihr vom Herangehen gelungen, wenn auch nich ganz stabil. Und sie hat damit ihren Anteil für das Teamergebnis geleistet.

Würden Sie insofern behaupten, dass Sie sich bei Ihrer Nominierung für die richtig zusammengestellte Mannschaft entschieden haben?

Für die Nominierung gab es besprochene, beratene und bestätigte Kriterien, nach denen sie erfolgt ist. Grundlage waren die Trainingsleistungen, die nationalen und internationalen Wettkampfleistungen und die Leistungen der unmittelbaren Vorbereitung. Da haben diese beiden Gymnastinnen sich letztendlich durchgesetzt und diese Leistungen auch hier vor Ort gezeigt.

Über zukünftige Gruppen und deren Standorte wird in diesen Tagen viel geredet. Doch wie sehen Sie die Zukunft unserer deutschen Juniorinnen im Einzel?

Wir haben im Deutschen Turner-Bund eine ganz klare Konzeption, die heißt: Wir bereiten schwerpunktmäßig eine Gruppe für die Qualifikation zu den Olympischen Spielen 2012 vor. In Vorbereitung der Einordnung in die Nationalmannschaft Gruppe werden die Gymnastinnen im Schüler- und Juniorenbereich über die Einzelleistung vorbereitet, mit dem Ziel der Teilnahme bei den Junioren-Europameisterschaften Einzel und / oder Gruppe (im turnusgemäßen Wechsel). Das ist der Anspruch, auch das Leistungsniveau in der Gruppe nach oben zu bringen.

Haben Sie ein zusammenfassendes Statement zu dem JEM 2008 im Palasport Olimpico von Turin?

Ja, wie ich schon gesagt habe, gab es inhaltlich sehr, sehr gute Leistungen. Viele Länder sind leistungsmäßig zusammengerückt, die Leistungsdichte ist enger geworden. Wir konnten deutlich zeigen, dass wir im Juniorenbereich ebenfalls Fortschritte gemacht haben. Für die Juniorinnen ist der direkte Wettkampf mit den Seniorinnen Einzel und Gruppe ein guter Weg, den Leistungsstand dort zu beobachten und zu sehen, wo sie letztendlich hin wollen. Von der Organisation her waren sehr viele freiwillige Helfer eingebunden, allerdings hatten die Mannschaften auch hin und wieder mit kleineren Problemchen zu kämpfen. Die Wettkampfhalle war ideal, nur hatte man uns versprochen, dass alle Tage die 12.000 Plätze in der Halle ausverkauft wären. Das war bis jetzt ganz und gar nicht der Fall, aber Stimmung und Unterstützung durch das Publikum waren sehr gut!

Ich bedanke mich sehr herzlich für das Interview und wünsche Ihrem ganzen Team für die morgigen Finals viel Erfolg!

Danke!

Camilla Pfeffer (links) und Sara Radman (rechts) mit ihrer Team-Gefährtin Lena Rübke aus Bremen (Mitte)

(Foto: Thomas Schütte)

Lena Rübke (BTS-Neustadt Bremen) durfte mit zwei ihrer Betreuerinnen vom Bundesstützpunkt Bremen zu den EM nach Turin fliegen. Lena hatte bis zuletzt im Team des JEM-Kaders gestanden. Als Belohnung war sie so immerhin als Zuschauerin vor Ort, feuerte ihre Teamkolleginnen nach Kräften an und beobachtete auch gespannt die Übungen der europäischen Spitze.

Sara Radman

(Foto: Bernd Thierolf)

Finale Seil Juniorinnen

Anmerkung vorab: Die Olympiahalle der Winterspiele von 2006, "Palasport Olimpico", ist heute mit 12.000 Plätzen vollständig ausverkauft!

1) 27,000 Daria Andronova, RUS
2) 26,350 Melitina Stoianouta, BLR
3) 24,350 Tsvetelina Stoyanova, BUL
4) 24,075 Tatiana Zahododnya, UKR
5) 23,900 Sara Radman, GER
6) 23,425 Vasileia Zachou, GRE
7) 23,225 Gözde Özkebapci, TUR
8) 22,900 Natalia Garcia Timokeeva, ESP

Obgleich die Russin Daria Andronova mit ihrer Seilübung nicht vollständig überzeugte (weit aus der Richtung geworfenes Handgerät, dadurch bedingt eine statt zwei Rollen...), sah die Jury sie trotzdem deutlich vorn, wohl aufgrund des insgesamt sehr hohen Ausgangswerts der Übung. Silber ging an Melitina Staniouta aus Weißrussland, die den heutigen Finaltag mit einer ausgesprochen sauberen Seilübung eröffnete. Das mögen die meisten Athletinnen nicht. Staniouta ließ sich jedenfalls nichts anmerken. Bronze geht an die Bulgarin Tsvetelina Stoyanova.

Aus deutscher Sicht wiederholte Sara Radman ihre absolut perfekte Seilübung der Qualifikation, es war nicht das Geringste auszusetzen! Mit 23,900 erhielt sie eine sehr hohe Wertung. Sie hat alles abrufen können, was körpertechnisch und gerättechnisch machbar war, war komplett synchron zur Musik, zeigte für eine Juniorin ein hohes Maß an Ausstrahlung und Kontaktaufnahme zum Publikum. Das hat offensichtlich auch das Kampfgericht überzeugt, es gab Platz 5, die beste Platzierung überhaupt für den Deutschen Turner-Bund bei einer Junioren-Europameisterschaft.

Finale Reifen Juniorinnen (ohne deutsche Beteiligung)

1) 26,050 Aliksandra Narkevich, BLR
2) 26,025 Diana Botsieva, RUS
3) 25,375 Gabriela Kirova, BUL
4) 24,725 Anna Rizatdinova, UKR
5) 24,500 Fanni Forray, HUN
6) 24,450 Alexandra Piscupescu, ROM
7) 24,200 Camilla Bini, ITA
8) 22,175 Rebeca Garcia, ESP

Der Sieg mit dem Reifen ging extrem knapp, aber dennoch sehr verdient an die Weißrussin Aliksandra Narkevich, die eine traumhaft schöne Kür vortrug. Nur 0,025 trennten sie von der zweitplatzierten Russin Diana Botsieva, die ihr auch tatsächlich in fast nichts nachstand. Dennoch, die allerletzten Feinheiten (und vielleicht auch das allerletzte Quäntchen Glück) sind es dann, welche bei einer so knappen Entscheidung die Siegerin festlegen. Auf dem Bronzerang Gabriela Kirova aus Bulgarien.

Camilla Pfeffer

(Foto: Bernd Thierolf)

Finale Ball Juniorinnen

1) 26,825 Yana Lukonina, RUS
2) 26,400 Boyanka Angelova, BUL
3) 26,025 Hanna Rabtsava, BLR
4) 24,575 Viktoria Mazur, UKR
5) 24,375 Fanni Kohlhoffer, HUN
6) 23,975 Chrystaleni Trikomitou, CYP
7) 23,425 Alessia Marchetto, ITA
8) 21,175 Sara Radman, GER

Yana Lukonina (RUS) hat mit ihrer im Teamwettkampf bereits unglaublich schön ausgeführten Ballübung auch heute wieder überzeugen können. Die sehr romantische Kür kam nicht nur beim Publikum, sondern auch beim Kampfgericht besonders gut an. Langsame, sehr tänzerische Musik, die ganze Übung perfekt darauf abgestimmt, es war eine Augenweide. Wobei das Publikum durchaus auch sehr große Sympathien für die Zweite hatte: als die Wertung für Boyanka Angelova verkündet wurde und diese nicht vor Lukonina lag, gab es auch eine große Anzahl von Buh-Rufen. Auf Platz drei diesmal Hanna Rabtsava aus Weißrussland.

Sara Radman aus Deutschland hatte leider dasselbe Pech, welches Teamkameradin Camilla Pfeffer in der Qualifikation passiert war. Sie war die erste Starterin mit dem Ball, den sie eigentlich noch besser beherrscht als das Seil. Doch man hatte sie an die Fläche gerufen, schon bevor die Jury sich für das jetzt beginnende Handgerät umgesetzt hatte, und so musste Sara außerordentlich lange warten. Hilfesuchend blickte sie sich zu ihren Betreuerinnen Birgit Guhr und Elena Khadartsev um, zugleich bekam sie feuchte Hände. Endlich auf der Fläche, kam es zu einem zunächst noch kleinen Fehler, als sie ein wenig aus einer Drehung kippte, dann aber leider der große Verlust, Ball und Gymnastin verließen die Fläche. Zuletzt nochmal ein Fangfehler, der diesmal zum Glück in der FlÃähe blieb. Dennoch: 0,4 Punkte Abzug und eine recht niedrige Note in der Ausführung ergaben am Ende Platz 8.

Finale Band Juniorinnen (keine deutsche Beteiligung)

1) 26,500 Daria Dmitrieva, RUS
2) 25,625 Melitina Staniouta, BLR
3) 25,300 Federica Febbo, ITA
4) 24,875 Mariya Mateva, BUL
5) 24,650 Anna Rizatdinova, UKR
6) 24,600 Irina Brigita Lalciu, ROU
7) 24,100 Rebeca Garcia, ESP
8) 23,250 Daria Topic, HUN

Daria Dmitrieva aus Russland turnte die letzte Übung der heutigen Juniorenfinals. Und es war ein gelungener Abschluss, denn die perfekt ausgeturnte und vor allem mit absolut faszinierenden Pirouetten bestückte Übung brachte ihr mit deutlichem Vorsprung den Europameistertitel ein. Silber ging an die Weißrussische Gymnastin Melitina Staniouta. Dann die Überraschung unter den Gymnastinnen auf dem Siegerpodest: Lokalmatadorin Federico Febba (ITA) schaffte den Bronzerang! Ob dies nun auch ein wenig das Geschenk an die Gastgebernation war, darf man fast gar nicht fragen, denn tatsächlich war Febbo alles gelungen, eine sehr überzeugende Bandkür!

Jedenfalls muss man den Organisatoren der EM einen großen Dank aussprechen. Athletinnen, Betreuer, Presse, nicht zuletzt auch das zahlreiche Publikum wurden professionell und liebevoll betreut, es war eine EM zum Wohlfühlen. Turin, die Olympiastadt von 2006, hat sich im Palasport Olimpico von ihrer allerbesten Seite präsentiert. Arrivederci, Torino!


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letzte Änderung: 03. August 2008 Copyright © 2008 Ulrich M. Mehringer, Thomas Schütte